Anti-Müller-Hormon (AMH) 

eine Material - und Literaturauswahl

Physiologie

Das AMH ist ein dimeres Glykoprotein, das zur Gruppe der transformierenden Wachstumsfaktoren (TGF) gehört und bei Zelldifferenzierung und Zellwachstum beteiligt ist. AMH wird beim Mann in den Sertolizellen des Hodens und bei der Frau in den Granulosazellen des Ovars gebildet.

Bei der Entwicklung des männlichen Embryos ist AMH notwendig, um die Zurückbildung der Müller’schen Gänge (Organlage für Uterus, Eileiter und oberen Teil der Vagina) zu bewirken. Während beim Mann die AMH-Produktion deshalb bereits in der Embryonalphase beginnt, in der Pubertät abfällt und in niedriger Konzentration lebenslang persistiert, wird das AMH bei der Frau erst mit Beginn der Pubertät in den Granulosazellen heranwachsender Follikel gebildet. Im Alter von 18-30 Jahren ändert sich die AMH-Konzentration kaum. Nach dem 30. Lebensjahr fällt der Serumspiegel kontinuierlich ab auf schließlich nicht mehr messbare Werte in der Peri-/Postmenopause.

Es besteht eine sehr gute Korrelation zwischen dem Serum-AMH-Spiegel und der Anzahl potenziell reifungsfähiger Follikel. Das AMH ist momentan der beste verfügbare Parameter zur Beurteilung der ovariellen Funktionsreserve.

Klinische Bedeutung

Literatur: Visser et al. Anti-Muellerian hormone: a new marker of ovarian function. Reproduktion 2006 (131):1-9

Anti-Müller-Hormon und Inhibin B: Eintritt der Menopause.

AMH (Anti-Müller-Hormon), Inhibin B und FSH gelten als Marker der ovariellen Reserve. Während AMH wegen fehlender zyklischer Schwankungen in allen Zyklusphasen als Marker der ovariellen Reserve bestimmt werden kann, gilt das für Inhibin B und FSH nur für die ersten Tage des Zyklus. AMH erfasst den vorhandenen Pool mittels FSH stimulierbarer Follikel. Niedrige und nicht mehr nachweisbare AMH-Werte markieren das Ende der generativen Funktion der Ovarien. Die generative Funktion erlischt allerdings eher als die endokrine (hormonale) Funktion der Eierstöcke. Die vorliegende Studie zeigt, dass es noch etwa 4 – 5 Jahre dauert, bis nach niedrigen oder nicht mehr nachweisbaren AMH im Serum die Menopause (letzte Menstruationsblutung) eintritt.

Literatur: Sowers MR, Eyvazzadeh AD, McConnell D, Yosef M, Jannausch ML, Zhang D, Harlow S, Randolph JF Jr. Anti-mullerian hormone and inhibin B in the definition of ovarian aging and the menopause transition, J Clin Endocrinol Metab. 2008 Sep;93(9):3478-83

Erniedrigte AMH-Spiegel (Anti-Müller-Hormon) und veränderte follikuläre Kohorte bei Patientinnen mit geringfügiger Endometriose

Frauen mit geringfügiger Endometriose (“minimal and mild”) haben eine reduzierte Chance der Konzeption, obwohl häufig der tubo-ovarielle Komplex nicht betroffen ist. In der angelsächsischen Literatur wird dann von idiopathischer („unexplainded“) Sterilität gesprochen. Eine geringfügige Endometriose bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch reduziert offenbar die ovarielle Reserve.

Literatur: Lemos NA, Arbo E, Scalco R, Weiler E, Rosa V, Cunha-Filho JS. Decreased anti-Müllerian hormone and altered ovarian follicular cohort in infertile patients with mild/minimal endometriosis. Fertil Steril. 2008 May;89(5):1064-8. Epub 2007 Jul 10

Der AMH-Wert ist ein früher und viel  ersprechender Marker der abnehmenden ovariellen Reserve und kann zyklusunabhängig (auch unter oralen Kontrazeptiva) bestimmt werden.Zusammengefasst müssen wir bei AMH-Werten =1,26 ng/ml den hochgradigen Verdacht auf eine reduzierte ovarielle Funktionsreserve haben. Wir halten die wissenschaftliche Datenlage bereits für ausreichend, Frauen die AMH-Bestimmung als so genannten Fertilitäts-Check möglichst frühzeitig als Selbstzahlerleistung anzubieten.

AMH sollte als Frühwarner dienen. FSH-Erhöhungen über 8 oder sogar 12 bzw. eine sukzessive Verkürzung der Zykluslänge kommen immer zu spät, da sie bereits das nahe Ende der Fruchtbarkeit einläuten. Insofern ist das AMH mit seiner hohen Sensitivität als Screening-Test geeignet und auch einzusetzen, um möglichst früh die ovarielle Funktionsreserve und damit die Zahl der noch verbliebenen „guten Jahre“ einzuschätzen und ggf. zu nutzen.

Literatur: Christian Gnoth, Peter Mallmann FRAUENARZT 49 (2008) Nr. 9

Ist noch ausreichend Zeit für eine weitere Stufe auf der Karriereleiter oder läuft die biologische Uhr für die Familienplanung langsam ab? Diese Frage stellen sich beruflich erfolgreiche Frauen spätestens ab Mitte dreißig – zumindest unterbewusst. Der Frauenarzt kann diese Situation thematisieren und durch die Bestimmung der individuellen ovariellen Reserve eine Hilfestellung für die Entscheidung geben.Die AMH-Bestimmung hat als Labormethode den Vorteil, dass die Werte unabhängig vom Untersucher sind.

Literatur: Michael Ludwig, Thomas Hahn, FRAUENARZT 49 (2008) Nr. 5

Referenzbereiche

      pg/ml

erhaltene Ovarialreserve

> 1.25

PCO

> 7.5

reduzierte Ovarialreserve
Endometriose

< 1.25

 

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